Verlagsporträt: Interessante weibliche Erzählweisen

Interview mit Karen Nölle von edition fünf

Karen Nölle ist eine der Programmmacherinnen der edition fünf, spezialisiert auf Bücher von Schriftstellerinnen, die in der Tradition weiblichen Schreibens besondere Akzente gesetzt haben. Sie übersetzt seit vielen Jahren aus dem Englischen, am liebsten Autorinnen wie Janet Frame, Ursula K. Le Guin, Alice Munro, Barbara Trapido oder Eudora Welty. Nebenbei arbeitet sie als freie Lektorin, schreibt dann und wann Reisebücher und leitet Seminare für Übersetzer*innen, Lektor*innen und Autor*innen. Sie lebt am Dieksee in Holstein. Continue reading „Verlagsporträt: Interessante weibliche Erzählweisen“

Ein stilles, tiefes Wasser

Als ich neun Jahre alt war, lernte ich schwimmen. Meine Mutter brachte es mir im Traum bei, da war sie schon tot.

Der erste Satz dieses feinen Debütromans von Mona Høvring nimmt einen bei der Hand, als führe er auf vertrautes Terrain, aber schon mit dem zweiten steht man am Abgrund. Laura war sechs, als ihre Mutter ins Wasser ging, seitdem leben in dem Häuschen an der norwegischen Küste nur noch ihr älterer Bruder, der in sich gekehrte Vater und sie. In dem Traum ist Laura, als glitte sie in ein anderes Dasein hinein. Continue reading „Ein stilles, tiefes Wasser“

Von der Unmöglichkeit des Ausbrechens

Susan Hill ist in England seit Jahrzehnten als Autorin von Krimis, Geistergeschichten und Kinderbüchern erfolgreich. Stummes Echo  ist eine literarische Novelle, die in keine dieser Schubladen passt, der es aber zugute kommt, dass die Autorin ihre Genre-Register zu ziehen weiß. Wieder einmal heben der erst 2018 gegründete Kampa Verlag und sein Imprint Gatsby einen Schatz, der im Original bereits vor einigen Jahren erschienen ist, um ihn in bibliophiler Gestaltung und wunderbarer Übersetzung – in diesem Fall von Andrea Stumpf – auch einer deutschen Leserschaft zugänglich zu machen.
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Von sexistischen Stammtischweisheiten und der Geschichte der Misogynie

Die Geschichte des Frauenhasses ist furchtbar und traurig, und sie ist hochinteressant. Wer sich damit beschäftigt, wie tief verwurzelt und allgegenwärtig die Misogynie auch in unserer vermeintlich so aufgeklärten westlichen Kultur ist, sieht unsere Gegenwart mit anderen Augen. Die meisten sind nur so daran gewöhnt, dass sie sie nicht als solche wahrnehmen. Es ist eine Frage der Bildung und der Aufklärung. Deshalb stelle ich zum Internationalen Frauentag ein paar Bücher zum Thema vor. Mary Beard, Jack Holland, Virginie Despentes und Kate Manne öffnen einem wieder und wieder die Augen. Die Geschichte der Misogynie sollte genauso Teil des Schulunterrichts sein wie die des Kolonialismus oder des Antisemitismus, denn sie gehört zu unserer Kulturgeschichte, und nur Bildung und Aufklärung werden bewirken können, dass auf dieses Thema nicht mehr mit einem Abwehrreflex reagiert wird, sondern sachlich und mit der nötigen Offenheit. Damit Mädchen von Anfang an wissen, was hinter bestimmten Herabwürdigungen steckt, statt sie persönlich zu nehmen und sich einschüchtern zu lassen. Damit nicht jeder einzelne Mann Kritik persönlich nimmt und glaubt, sich verteidigen zu müssen, wo es um Strukturen geht, um den Rahmen. Wir haben alle nur zu gewinnen, wenn uralte Rollenbilder geöffnet werden, wenn mehr möglich wird, für alle.
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