Bücher zum Wünschen und Verschenken

Vom unwiderstehlichen Reiz einer Nervensäge

Karen Duve nimmt bewundernswerterweise mit jedem Buch etwas ganz Neues in Angriff. In Fräulein Nettes kurzer Sommer erzählt sie mit wunderbar trockenem Humor und Blick für vielsagende Details die Lebens- und Liebesgeschichte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Continue reading „Bücher zum Wünschen und Verschenken“

Aus der Stille geboren

Die Britin Rachel Cusk, Jahrgang 1967, hat bisher vierzehn Bücher veröffentlicht und dabei eine hochinteressante Entwicklung vollzogen vom klassischen Roman über die Autobiografie hin zu einer ganz eigenen Form bei den Romanen Outline, In Transit und Kudos. Die Trilogie ist nun abgeschlossen und liegt vollständig auf Deutsch vor. Continue reading „Aus der Stille geboren“

Kurz und knapp: Drei sehr unterschiedliche Liebesgeschichten

Silvia war jahrelang alleinerziehend, seit ein paar Monaten hat sie wieder einen Freund. An diesem Abend will sie zum ersten Mal zu Hause für ihn kochen und ihn ihrer dreizehnjährigen Tochter Maria vorstellen. Sie hat Sorge, dass die Tochter nicht mitessen will, am Essen rummeckert, irgendwie alles verdirbt. Denn Maria ist schwierig, hat unnachvollziehbare Launen, unter denen sie auch selbst leidet. So weit, so normal, denkt Silvia, die keine Kritik an ihrer Tochter hören will, Continue reading „Kurz und knapp: Drei sehr unterschiedliche Liebesgeschichten“

Linderung durch Eichhörnchen

Wenn ein Buch mit einem unerwarteten Heiratsantrag beginnt, der überrascht angenommen wird, dann ist die entscheidende Frage, ob es am Ende auf das klassischste aller Happy Endings hinauslaufen wird oder nicht. Veblen, die Protagonistin von Elizabeth McKenzies Roman Im Kern eine Liebesgeschichte, ist Anfang dreißig und arbeitet in Palo Alto, Kalifornien, für eine Zeitarbeitsfirma. Ihren Freund Paul kennt sie noch gar nicht so lange, und eigentlich ist sie mit ihrem Leben ganz zufrieden, so wie es ist. Continue reading „Linderung durch Eichhörnchen“

Das gefrorene Meer in uns

Ellinor ist sechsunddreißig, sie kommt vom Dorf und ist nicht besonders gebildet, aber sie kann kämpfen, und sie weiß, was sie will, nämlich einen zärtlichen, nicht allzu zärtlichen Mann. Über das Internet lernt sie den Literaturkritiker Calisto kennen. Beide sind von ihren bisherigen Erfahrungen gezeichnet, ihre Seelen sind vernarbt. Romantische Erwartungen haben sie eigentlich nicht aneinander, und was sich zwischen ihnen entspinnt, ist denn auch alles andere als eine durchschnittliche Liebesgeschichte. Continue reading „Das gefrorene Meer in uns“

Kurz und knapp

Drei kurze Besprechungen dreier sehr unterschiedlicher Romane, alle auf ihre Weise grandios. Ein großartiger amerikanischer Erzähler über obsessive Liebe, Eltern- und Geschwisterliebe und deren Grenzen. Ein episches englisches Sittengemälde, das in den Dreißigerjahren auf einem Landsitz in Sussex beginnt. Und ein so kluger wie komischer deutscher Roman über die Abgründe, vor denen Frauen sich heute oft wiederfinden.

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Fremde Genüsse

In Bittere Orangen, dem neuen Roman von Claire Fuller, deren Eine englische Ehe mich im letzten Jahr begeistert hat, ist nichts, wie es scheint. Die Ich-Erzählerin Frances liegt in einer zunächst nicht näher bezeichneten Einrichtung auf dem Sterbebett, neben ihr sitzt ein Pastor, der sie dazu bringen will zu beichten. Allein um ihren Seelenfrieden scheint es ihm dabei nicht zu gehen, in seinen Fragen schwingen auch kriminologische Neugier und Sensationslust mit.

Der Pastor fragt mich, was ich bereue und ob ich ein ruhiges Gewissen habe, und dann flüstert er: „Erzählen Sie, was wirklich geschehen ist.“

Es muss etwas Schlimmes passiert sein in der Vergangenheit. Aber von Anfang an ist klar, dass Frances nicht einfach erzählen wird, was sie weiß. Sie spielt ein Spiel mit dem Pastor, so wie Claire Fuller mit uns.

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