Welten der Wildheit und der Lebensfreude

„Zehn große Romane der Weltliteratur“, die „in keinem Bücherregal fehlen“ sollten – so kündigte die Süddeutsche Zeitung Ende Oktober in einer Anzeige ein neues Produkt an, das über ihren Onlineshop erhältlich ist. Das Besondere: Alle Autoren sind Männer. Und das ist reine Absicht, gezeigt werden soll nämlich, „wie vielseitig die Männerwelt wirklich ist“. Der Schuber mit dem wonnigen Titel Soulmates enthält allerlei zwischen Alexis Sorbas und Blade Runner. Satire? Leider nein. „Welten der Wildheit und der Lebensfreude“ weiterlesen

Kurz und knapp: Drei Höhepunkte aus dem Herbst

Eine Nobelpreisträgerin, eine Wiederentdeckung und eine der interessantesten Autorinnen der Gegenwart drei Lese-Highlights aus den letzten Wochen

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Da gewinnt schon mal eine Autorin den Nobelpreis für Literatur – als 15. Frau auf 100 Männer – und dann wird kaum über sie gesprochen, weil parallel eine Debatte um den zweiten Literaturnobelpreisträger tobt, die alles in den Schatten stellt. „Kurz und knapp: Drei Höhepunkte aus dem Herbst“ weiterlesen

2. Nacht-und-Tag-Lesekreis: Margaret Atwood

Keine Vorabexemplare, Verschwiegenheitserklärungen der Ausgewählten, die den Roman schon vor Erscheinen lesen durften (aber nur im Verlagshaus), Mitternachtspartys zum Verkaufsstart und ein Interview mit der Autorin, das am Erstverkaufstag zeitgleich in 1.000 Kinos weltweit übertragen wurde. Ein Spektakel wie zum Erscheinen von Margaret Atwoods Roman Die Zeuginnen hat es wohl seit dem letzten Harry-Potter-Band nicht mehr gegeben. Nachdem in den USA ein Frauenverächter zum Präsidenten gewählt wurde und zeitgleich die Produktion der Fernsehserie The Handmaid’s Tale begann, wurde Der Report der Magd endgültig zum Welterfolg. Vierunddreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung erschien mit Die Zeuginnen nun die Fortsetzung. Die Erwartungen waren hoch – haben Sie sich erfüllt? „2. Nacht-und-Tag-Lesekreis: Margaret Atwood“ weiterlesen

Schreibend Abschied nehmen

Barbara Honigmann und David Wagner, Philip Roth, Vivian Gornick und Annie Ernaux – all diesen Autor*innen war der Abschied von einem Elternteil Anlass, ein Buch über den Vater oder die Mutter zu schreiben. Abschied und Tod sind dabei nicht gleichzusetzen, denn oft beginnt das Abschiednehmen noch zu Lebzeiten, mit einer schweren Krankheit, oder wenn eine Demenz einen Menschen verändert und gemeinsame Erinnerungen schwinden lässt. Annie Ernaux’ Buch über ihren Vater, Der Platz, habe ich hier bereits besprochen, nun erscheint bei Suhrkamp Eine Frau, ihr ebenso schmales Buch über ihre Mutter, das mit deren Sterben beginnt. „Schreibend Abschied nehmen“ weiterlesen

Autorinnen und das Vergessen – Alte Vorurteile und spannende Neuigkeiten

„Frauen haben früher eben einfach weniger geschrieben“ – das höre ich immer wieder, sogar von Programmverantwortlichen belletristischer Verlage, wenn ich sie darauf anspreche, dass sie in ihren Klassikerreihen kaum Werke von Autorinnen herausbringen. Auf die Behauptung, von Frauen gäbe es aus vergangenen Jahrhunderten ja leider kaum etwas, folgt meist einhelliges Nicken: Ja, leider, bedauerlich, aber ist nun mal so.

Nein, ist nicht so. „Autorinnen und das Vergessen – Alte Vorurteile und spannende Neuigkeiten“ weiterlesen

„Diese verfluchte Mischung aus Wut und Sorge“

Wut und Sorge, Liebe und Rivalität, Geborgenheit und Verwundbarkeit – die Beziehung von Geschwistern ist eine besonders enge und besonders ambivalente. Davon erzählen drei Bücher, die gerade auf deutsch erschienen sind, alle in kleinen, konzernunabhängigen Verlagen: Mona Høvrings neuer Roman Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte, die Erzählungen von Line Madsen Simenstad (ihr literarisches Debüt), sowie der Roman Eine moderne Familie von Helga Flatland, bereits ihr fünfter, jedoch der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. Alle Autorinnen stammen aus Norwegen, dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse. „„Diese verfluchte Mischung aus Wut und Sorge““ weiterlesen

Das plötzliche Schwinden der Leere

Mit diesem Beitrag startet auf Nacht und Tag eine neue Reihe: Neben Neuerscheinungen soll es ab jetzt regelmäßig auch um Autorinnen gehen, die eine Wiederentdeckung wert sind und vielleicht – wie im Falle Françoise Sagans – auch eine Neubewertung.

Françoise Sagan ist ein Mythos, seit sie 1954 kurz nach ihrem Abitur ihren Debütroman Bonjour Tristesse veröffentlichte, der eine literarische Sensation war und ein Skandal und sie auf einen Schlag berühmt machte. Sie führte das Leben eines Rockstars, inklusive Drogen, Glücksspiel, schnellen Autos und wechselnden Geliebten. Als sie 22 war, wurde ihr Aston Martin eine Böschung hinabgeschleudert, sie wurde schwer verletzt geborgen, erhielt die letzte Ölung, überlebte und veröffentlichte noch achtzehn weitere Romane (von denen einige mit Starbesetzung verfilmt wurden), schrieb elf Theaterstücke, umfangreiche Memoiren und zehn Chansons, unter anderem für Yves Montand und Juliette Gréco. „Das plötzliche Schwinden der Leere“ weiterlesen