Von sexistischen Stammtischweisheiten und der Geschichte der Misogynie

Die Geschichte des Frauenhasses ist furchtbar und traurig, und sie ist hochinteressant. Wer sich damit beschäftigt, wie tief verwurzelt und allgegenwärtig die Misogynie auch in unserer vermeintlich so aufgeklärten westlichen Kultur ist, sieht unsere Gegenwart mit anderen Augen. Die meisten sind nur so daran gewöhnt, dass sie sie nicht als solche wahrnehmen. Es ist eine Frage der Bildung und der Aufklärung. Deshalb stelle ich zum Internationalen Frauentag ein paar Bücher zum Thema vor. Mary Beard, Jack Holland, Virginie Despentes und Kate Manne öffnen einem wieder und wieder die Augen. Die Geschichte der Misogynie sollte genauso Teil des Schulunterrichts sein wie die des Kolonialismus oder des Antisemitismus, denn sie gehört zu unserer Kulturgeschichte, und nur Bildung und Aufklärung werden bewirken können, dass auf dieses Thema nicht mehr mit einem Abwehrreflex reagiert wird, sondern sachlich und mit der nötigen Offenheit. Damit Mädchen von Anfang an wissen, was hinter bestimmten Herabwürdigungen steckt, statt sie persönlich zu nehmen und sich einschüchtern zu lassen. Damit nicht jeder einzelne Mann Kritik persönlich nimmt und glaubt, sich verteidigen zu müssen, wo es um Strukturen geht, um den Rahmen. Wir haben alle nur zu gewinnen, wenn uralte Rollenbilder geöffnet werden, wenn mehr möglich wird, für alle.
„Von sexistischen Stammtischweisheiten und der Geschichte der Misogynie“ weiterlesen

Es ist etwas passiert

Die 1975 geborene Sarah Moss ist dem Independent zufolge „zweifellos eine der besten britischen Autorinnen der Gegenwart“. In Deutschland ist sie noch weitgehend unbekannt, man könnte auch sagen: ein Geheimtipp. Gerade ist bei mare ihr vierter Roman erschienen, Gezeitenwechsel – ein Buch, das mir besonders am Herzen liegt, denn ich habe es ins Deutsche übersetzt. „Es ist etwas passiert“ weiterlesen

Der Nacht-und-Tag-Lesekreis

Erstes Buch:  Frau im Dunkeln von Elena Ferrante

(Roman, Aus dem Italienischen von Anja Nattefort, Suhrkamp, 188 Seiten, 22 Euro)

Die Idee

Es gibt Bücher, die lassen einen mit Gesprächsbedarf zurück, sei es weil das Gefühl bleibt, dass sich Zusammenhänge nicht erschlossen haben, sei es, weil das Ende Fragen aufwirft, oder weil es um besonders kontroverse Themen ging. Solche Bücher möchte ich aussuchen für den Nacht-und-Tag-Online-Lesekreis. „Der Nacht-und-Tag-Lesekreis“ weiterlesen

Nichts ist schwarz-weiß

Als der New Yorker Ende 2017 die erste Short Story der 1982 geborenen Kristen Roupenian veröffentlichte, erlebten die Zeitschrift und die bis dahin unbekannte Autorin einen viralen Hype, den es auf literarischem Gebiet so noch nicht gegeben hatte: „Cat Person“ wurde so oft geteilt und geklickt wie keine Kurzgeschichte zuvor und zur „meistdiskutierten Short Story aller Zeiten“ (Guardian). Das hatte zwei Gründe: Sie ist richtig gut. Und Gegenstand der Geschichte ist eine mehr oder weniger freiwillige sexuelle Begegnung zwischen Mann und Frau, die es schwer macht zu entscheiden, wer wem übel mitspielt. Den Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte das Magazin klug gewählt: kurz nach den Weinstein-Enthüllungen. „Nichts ist schwarz-weiß“ weiterlesen

Es ist was faul im deutschen Feuilleton

Ich bespreche auf meinem Blog fast nur Literatur von Frauen, denn die ist im Feuilleton unterrepräsentiert. Neben positiven Rückmeldungen höre ich dazu immer wieder zwei Kommentare: „Das Geschlecht spielt für mich bei der Auswahl von Büchern gar keine Rolle“ und „Muss denn immer alles Fifty-fifty sein?“ – Der Versuch einer Antwort, die dem Thema gerecht wird.

„Es ist was faul im deutschen Feuilleton“ weiterlesen