Von der Unmöglichkeit des Ausbrechens

Susan Hill ist in England seit Jahrzehnten als Autorin von Krimis, Geistergeschichten und Kinderbüchern erfolgreich. Stummes Echo  ist eine literarische Novelle, die in keine dieser Schubladen passt, der es aber zugute kommt, dass die Autorin ihre Genre-Register zu ziehen weiß. Wieder einmal heben der erst 2018 gegründete Kampa Verlag und sein Imprint Gatsby einen Schatz, der im Original bereits vor einigen Jahren erschienen ist, um ihn in bibliophiler Gestaltung und wunderbarer Übersetzung – in diesem Fall von Andrea Stumpf – auch einer deutschen Leserschaft zugänglich zu machen.
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Von sexistischen Stammtischweisheiten und der Geschichte der Misogynie

Die Geschichte des Frauenhasses ist furchtbar und traurig, und sie ist hochinteressant. Wer sich damit beschäftigt, wie tief verwurzelt und allgegenwärtig die Misogynie auch in unserer vermeintlich so aufgeklärten westlichen Kultur ist, sieht unsere Gegenwart mit anderen Augen. Die meisten sind nur so daran gewöhnt, dass sie sie nicht als solche wahrnehmen. Es ist eine Frage der Bildung und der Aufklärung. Deshalb stelle ich zum Internationalen Frauentag ein paar Bücher zum Thema vor. Mary Beard, Jack Holland, Virginie Despentes und Kate Manne öffnen einem wieder und wieder die Augen. Die Geschichte der Misogynie sollte genauso Teil des Schulunterrichts sein wie die des Kolonialismus oder des Antisemitismus, denn sie gehört zu unserer Kulturgeschichte, und nur Bildung und Aufklärung werden bewirken können, dass auf dieses Thema nicht mehr mit einem Abwehrreflex reagiert wird, sondern sachlich und mit der nötigen Offenheit. Damit Mädchen von Anfang an wissen, was hinter bestimmten Herabwürdigungen steckt, statt sie persönlich zu nehmen und sich einschüchtern zu lassen. Damit nicht jeder einzelne Mann Kritik persönlich nimmt und glaubt, sich verteidigen zu müssen, wo es um Strukturen geht, um den Rahmen. Wir haben alle nur zu gewinnen, wenn uralte Rollenbilder geöffnet werden, wenn mehr möglich wird, für alle.
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Es ist etwas passiert

Die 1975 geborene Sarah Moss ist dem Independent zufolge „zweifellos eine der besten britischen Autorinnen der Gegenwart“. In Deutschland ist sie noch weitgehend unbekannt, man könnte auch sagen: ein Geheimtipp. Gerade ist bei mare ihr vierter Roman erschienen, Gezeitenwechsel – ein Buch, das mir besonders am Herzen liegt, denn ich habe es ins Deutsche übersetzt. „Es ist etwas passiert“ weiterlesen

Der Nacht-und-Tag-Lesekreis

Erstes Buch:  Frau im Dunkeln von Elena Ferrante

(Roman, Aus dem Italienischen von Anja Nattefort, Suhrkamp, 188 Seiten, 22 Euro)

Die Idee

Es gibt Bücher, die lassen einen mit Gesprächsbedarf zurück, sei es weil das Gefühl bleibt, dass sich Zusammenhänge nicht erschlossen haben, sei es, weil das Ende Fragen aufwirft, oder weil es um besonders kontroverse Themen ging. Solche Bücher möchte ich aussuchen für den Nacht-und-Tag-Online-Lesekreis. „Der Nacht-und-Tag-Lesekreis“ weiterlesen