Artikel

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Mein Zorn ist längst verraucht

Lieber Herr Weigel!

Ich antworte gleich auf Ihren Brief, damit Sie sich auch nicht die geringsten Sorgen meinetwegen machen müssen. Ich bin sehr froh, daß Sie so aufrichtig zu mir sind. Daß ich ein recht schwerer Fall bin, weiß ich ja selber auch. Es stimmt nicht, daß ich nicht idyllisch sein will. Ich möchte sehr gern, aber das wäre gelogen. Gerade diese Mischung von Dämonie u. Idylle, auf die ich unentwegt stoße, bereitet mir das größte Unbehagen u. fasziniert mich zugleich. Vielleicht wäre es meine Aufgabe gerade das glaubwürdig zu gestalten. Wahrscheinlich fehlt mir dazu die dichterische Kraft. Oder ich müßte einmal ein paar Monate allein sein u. Ruhe haben.

Marlen Haushofer war zweiunddreißig und hatte noch nichts veröffentlicht, als sie ihrem Mentor Hans Weigel am 23. Juli 1952 diesen Brief schrieb.

 

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GASTBEITRAG FÜR 54 BOOKS
„Es zählt nur die Qualität – Über ein fadenscheiniges Argument“

Dass es beim Büchermachen ausschließlich um Qualität gehen sollte, darin sind wir uns ja alle einig, oder? Und dass Männer die besseren Bücher schreiben auch. Ach nein, das darf man ja nicht mehr sagen. Also: Wenn Männer nun mal die besseren Bücher schreiben, dann – nee, Moment, ich fang noch mal an: „Wir machen Literatur, nicht Männer und/oder Frauen. Entscheidend ist allein die Qualität und nicht das Geschlecht. Entscheidend ist die Aussage, der Stil, da braucht es keine Genderaufsicht.“ So kann man es schon sagen. Oder?

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GASTBEITRAG FÜR SPIEGEL ONLINE
Wenn es unterhaltsam wird, sind die Frauen dran

Das Hashtag #frauenlesen ist in den sozialen Medien seit Längerem ein Anlaufpunkt für Lesende, die nach Büchern von Autorinnen suchen. Doch sollte die Identität der Schreibenden überhaupt eine Rolle spielen bei der Literaturauswahl? Ist es nicht wichtiger, dass einem Inhalt und Stil zusagen, egal wer das Buch geschrieben hat?

 

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Welten der Wildheit und der Lebensfreude

„Zehn große Romane der Weltliteratur“, die „in keinem Bücherregal fehlen“ sollten – so kündigte die Süddeutsche Zeitung Ende Oktober in einer Anzeige ein neues Produkt an, das über ihren Onlineshop erhältlich ist. Das Besondere: Alle Autoren sind Männer. Und das ist reine Absicht, gezeigt werden soll nämlich, „wie vielseitig die Männerwelt wirklich ist“. Der Schuber mit dem wonnigen Titel Soulmates enthält allerlei zwischen Alexis Sorbas und Blade Runner. Satire? Leider nein.

Der Artikel über den SZ-Schuber hat in den sozialen Medien eine unerwartet große Reaktion und große Umtriebigkeit ausgelöst: Unter dem Hashtag #autorinnenschuber haben Hunderte User*innen Stapel der Bücher von Autorinnen gepostet, die ihnen besonders wichtig sind. Mehr dazu hier und in Presse-Links unter Neuigkeiten.

 

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Es ist was faul im deutschen Feuilleton 

Ich bespreche auf meinem Blog fast nur Literatur von Frauen, denn die ist im Feuilleton unterrepräsentiert. Neben positiven Rückmeldungen höre ich dazu immer wieder zwei Kommentare: „Das Geschlecht spielt für mich bei der Auswahl von Büchern gar keine Rolle“ und „Muss denn immer alles Fifty-fifty sein?“ – Der Versuch einer Antwort, die dem Thema gerecht wird. …

 

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Autorinnen und das Vergessen

„Frauen haben früher eben einfach weniger geschrieben“ – das höre ich immer wieder, sogar von Programmverantwortlichen belletristischer Verlage, wenn ich sie darauf anspreche, dass sie in ihren Klassikerreihen kaum Werke von Autorinnen herausbringen. Auf die Behauptung, von Frauen gäbe es aus vergangenen Jahrhunderten ja leider kaum etwas, folgt meist einhelliges Nicken: Ja, leider, bedauerlich, aber ist nun mal so. – Nein, ist nicht so. …

 

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Das plötzliche Schwinden der Leere

Mit diesem Beitrag startet auf Nacht und Tag eine neue Reihe: Neben Neuerscheinungen soll es ab jetzt regelmäßig auch um Autorinnen gehen, die eine Wiederentdeckung wert sind und vielleicht auch eine Neubewertung, wie im Falle Françoise Sagans. …

 

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Verlagsporträt: Interessante weibliche Erzählweisen

Karen Nölle ist eine der Programmmacherinnen der edition fünf, spezialisiert auf Bücher von Schriftstellerinnen, die in der Tradition weiblichen Schreibens besondere Akzente gesetzt haben. Sie übersetzt seit vielen Jahren aus dem Englischen, am liebsten Autorinnen wie Janet Frame, Ursula K. Le Guin, Alice Munro, Barbara Trapido oder Eudora Welty. Nebenbei arbeitet sie als freie Lektorin, schreibt dann und wann Reisebücher und leitet Seminare für Übersetzer*innen, Lektor*innen und Autor*innen. Sie lebt am Dieksee in Holstein. …