Über

… den Blog und mich

 

Auf diesem Blog geht es um Literatur, insbesondere um Neuerscheinungen, aber auch um ältere Bücher, die ich aus dem Regal gezogen habe. Ich lese überwiegend Literatur aus England, Nordamerika und den deutschsprachigen Ländern, im Moment sind aber auch Frankreich und die skandinavischen Länder gut vertreten. Neben Romanen und Erzählungen interessiert mich besonders autobiografisches Schreiben – Briefe und Biografien, Essays und Tagebücher. Vor allem aber lese ich viel mehr Bücher von Autorinnen als von Autoren und möchte hier in erster Linie Literatur von Frauen besprechen.

Das war nicht immer so und hat zwei Gründe. Zum einen finde ich persönlich es gerade viel interessanter. Nachdem das Lesen in Schule und Studium extrem männerlästig war, waren manche Bücher von Autorinnen für mich geradezu eine Offenbarung. Zum anderen kommen Autorinnen in den Feuilletons viel zu kurz, ihre Literatur wird von den ernstzunehmenden Kritiker*innen weniger besprochen. Das ist etwas, was ich an der Mehrheit der Tage feststelle, wenn ich die FAZ oder die Süddeutsche aufschlage, was ich sehr bedaure und sehr ärgerlich finde. Die Faktenlage ist übrigens eindeutig. Zwei aktuelle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass nur etwa ein Viertel der Rezensionen sich mit Literatur von Frauen befasst – und das liegt nicht daran, dass nur ein Viertel der Neuerscheinungen von Autorinnen geschrieben worden wäre, es ist mehr. Genauso bekommen Autorinnen weniger Literaturpreise, werden weniger in andere Sprachen übersetzt, sind in den Lehrplänen der Schulen nicht angemessen vertreten etc. Es ist eine Frage der Auswahl, der Aufmerksamkeit, eine Frage dessen, was den Redaktionen relevant erscheint, eine Frage tief verwurzelter Vorurteile, wie und wozu Frauen sich eigentlich äußern können und sollten (Stichwort „Frauenliteratur“). Dazu empfehle ich das großartige kleine Buch Frauen und Macht von Mary Beard, die dieses Thema bis zu den alten Griechen zurückverfolgt. Dass Marcel Reich-Ranicki meinte, Frauen könnten keine Romane schreiben, nur Gedichte, und müssten mit jeder Art Schreiben aufhören, sobald sie Kinder bekommen, ist noch nicht lange her.

Es ist ein weites Feld, es gäbe noch sehr viel mehr dazu zu sagen, zum Beispiel dazu, was für Folgen es hat, dass Mädchen sich wegen Kanon und Curriculum zwar sehr früh in männliche Perspektiven versetzen – denn Lesen heißt Nachempfinden -, Jungen sich aber kaum in weibliche. An dieser Stelle nur so viel: Wir haben alle mehr Literatur von Autoren als von Autorinnen im Regal stehen, auch ich immer noch, und dafür gibt es keinen guten Grund. Im Gegenteil, es gibt viel nachzuholen und Großartiges zu entdecken. Daran möchte ich mit diesem Blog mitwirken.

Noch ein paar Worte zu mir: Ich lebe mit meiner Familie in Hamburg, wo ich Bücher lese, schreibe, herausgebe und übersetze. Bevor ich anfing, frei zu arbeiten, habe ich im S. Fischer Verlag eine Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin gemacht und in Berlin Amerikanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften studiert. Ich habe über die Tagebücher von Virginia Woolf, Sylvia Plath und Katherine Mansfield promoviert und in den Lektoraten verschiedener Buchverlage gearbeitet.

Nicole Seifert