Über

… den Blog und mich

 

Auf diesem Blog geht es um Literatur, um Neuerscheinungen, Klassiker und um Bücher, die eine (Wieder-)Entdeckung wert sind. Neben Romanen und Erzählungen interessiert mich besonders autobiografisches Schreiben – Briefe und Biografien, Essays und Tagebücher, Autofiktion. Vor allem aber lese ich fast nur noch Bücher von Autorinnen und bespreche hier Literatur von Frauen.

Das war nicht immer so und hat zwei Gründe. Zum einen finde ich es gerade viel interessanter. Nachdem das Lesen in Schule und Studium extrem männerlästig war, waren manche Bücher von Autorinnen für mich geradezu eine Offenbarung. Zum anderen kommen Autorinnen in den Feuilletons immer noch zu kurz, ihre Literatur wird deutlich weniger besprochen. Das ist etwas, was ich an der Mehrheit der Tage feststelle, wenn ich die FAZ oder die Süddeutsche aufschlage, was ich sehr bedaure und sehr ärgerlich finde. Die Faktenlage ist übrigens eindeutig. Zwei großangelegte Studien sind im Jahr 2018 zu dem Ergebnis gekommen, dass nur etwa ein Viertel der Rezensionen sich mit Literatur von Frauen befasst – und das liegt nicht daran, dass nur ein Viertel der literarischen Neuerscheinungen von Autorinnen geschrieben worden wäre. Genauso bekommen Autorinnen weniger Literaturpreise, werden weniger in andere Sprachen übersetzt, sind in den Lehrplänen der Schulen nicht angemessen vertreten etc. Es ist eine Frage der Auswahl, der Aufmerksamkeit, eine Frage dessen, was den Redaktionen relevant erscheint und damit auch eine Frage tief verwurzelter Vorurteile, wie und wozu Frauen sich eigentlich äußern können und sollten. Dazu empfehle ich das großartige Buch Frauen und Macht mit zwei Vorträgen der Althistorikerin Mary Beard, die dieses Thema bis zu den alten Griechen zurückverfolgt. Dass Marcel Reich-Ranicki meinte, Frauen könnten keine Romane schreiben, nur Gedichte, und müssten mit jeder Art Schreiben aufhören, sobald sie Kinder bekommen, ist noch nicht so lange her.

Es ist ein weites Feld, es gäbe noch viel mehr dazu zu sagen, zum Beispiel dazu, was für Folgen es hat, dass Mädchen sich wegen Kanon und Curriculum zwar sehr früh in männliche Perspektiven versetzen, Jungen sich aber kaum in weibliche (Siehe dazu auch meinen Blog-Beitrag Es ist was faul im deutschen Feuilleton). An dieser Stelle nur so viel: Wir dürften fast alle viel mehr Literatur von Autoren als von Autorinnen im Regal stehen haben, und dafür gibt es keinen guten Grund. Im Gegenteil: Es gibt viel nachzuholen und zu entdecken. Daran möchte ich mit diesem Blog mitwirken.

Noch ein paar Worte zu mir: Ich lebe mit meiner Familie in Hamburg, wo ich Bücher lese, schreibe, herausgebe und übersetze. Bevor ich anfing, frei zu arbeiten, habe ich im S. Fischer Verlag eine Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin gemacht und in Berlin Amerikanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften studiert. Anschließend habe ich über die Tagebücher von Virginia Woolf, Sylvia Plath und Katherine Mansfield promoviert und in den Lektoraten verschiedener Buchverlage gearbeitet.

Nicole Seifert