Was nie geschehen ist, das erste Buch der dreißigjährigen New Yorkerin Nadja Spiegelman, ist eine biographische Spurensuche der besonderen Art, die sich liest wie ein Roman und dabei so reflektiert und interessant ist wie ein Essay. Am Anfang dieser Suche stand der Wunsch der Autorin, ihre Mutter besser zu verstehen; am Ende der Gespräche, die Spiegelman mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter über Jahre hinweg führte, steht ein Buch, das seinesgleichen sucht. „Unsichtbare Strömungen im Ozean“ weiterlesen
Von Wunden und Wundern
Das Leben von Rose Bowan ist alles andere als spektakulär. Sie ist 34, unfruchtbar und leitet zusammen mit ihrer Mutter ein altes Programmkino. Wenn sie sich dienstags und freitags mit ihrem etwas zwanghaft veranlagten Freund trifft, täuscht sie ihre Orgasmen vor, überhaupt kann sie sich seit langem nur aus Mitleid überwinden, sich einem Mann hinzugeben. Eines Tages verliert sie während eines Gewitters das Bewusstsein und findet sich im Körper einer anderen Frau wieder. Sie ist gewissermaßen zu Gast in diesem Körper, über den sie keine Kontrolle hat, spürt aber genau, was diese fremde Frau spürt – und es ist vollkommen anders, als alles, was sie kennt. Jede Wahrnehmung ist sinnlicher, jede Berührung intensiver. „Von Wunden und Wundern“ weiterlesen
Seelische Mondlandschaften
Ingrid und Jan führen seit fast fünfundzwanzig Jahren eine stabile Ehe und haben zwei beinahe erwachsene Söhne; sie arbeitet als Lehrerin, er in einem Osloer Ministerium. Aber für Ingrid ist der Sinn dessen, was sie sich da aufgebaut haben, auf der Strecke geblieben. Ihr Leben macht sie nicht nur nicht mehr glücklich, sie erträgt all die Wiederholungen des ewig Gleichen kaum mehr, vermisst ihren früheren Enthusiasmus und sieht „überall nur das Kranke“. Es sind, auch wenn es im Roman nicht explizit benannt wird, Anzeichen einer ernsthaften Depression – und das bereits, bevor Ingrid erfährt, dass Jan eine andere Frau kennengelernt hat. „Seelische Mondlandschaften“ weiterlesen
Ein Segeltörn übers Mittelmeer und die Frage, wer mit wem schlief
Zwei Paare auf einem Segeltörn durchs Mittelmeer, die Luft riecht salzig, die Wellen plätschern sanft gegen das Schiff, die Wanten klingeln an den Masten. Tagsüber trägt man nicht viel mehr als eine Sonnenbrille und eine Kopfbedeckung, springt zur Abkühlung ins Meer und schaut dann den Handtüchern beim Trocknen zu, abends gibt es einen selbst gefangenen Fisch zu einem kühlen Glas Weißwein, während eine schwache Brise von den anderen Booten Gelächter herüber weht – kein Wunder, dass diese Geschichte von Vincent Almendros in Frankreich vor drei Jahren als „schönster Roman des Frühlings“ mit dem Prix Françoise Sagan ausgezeichnet wurde. Aber die Idylle trügt – sonst gäbe es schließlich nichts zu erzählen. „Ein Segeltörn übers Mittelmeer und die Frage, wer mit wem schlief“ weiterlesen