Angelika Mechtels Roman Das gläserne Paradies erzählt von einer Bundesrepublik im Umbruch. Es ist 1971, die Jahre des Wiederaufbaus sind vorbei, das Wirtschaftswunder hat alle materiellen Grundbedürfnisse weitgehend erfüllt, es öffnet sich ein Raum für Ideale wie Selbstverwirklichung und Partizipation. Bei den Frauen, den Studierenden und Arbeiter*innen herrscht Aufbruchsstimmung. Man will weg vom Untertanengeist der Ära Adenauer und betreibt zusammen mit dem SPD-Bundeskanzler Willy Brandt die Modernisierung, Liberalisierung und Demokratisierung der Gesellschaft. Gleichzeitig formieren sich konservative Gegenbewegungen, beispielsweise mit der Gründung der NPD. Genau von diesen Verschiebungen und Verwerfungen in der Gesellschaft erzählt Angelika Mechtel anhand der Familie Born. Ursprünglich erschienen 1973, legen wir Das gläserne Paradies nun in der Reihe rororo Entdeckungen neu auf.
„Ein ungeheures Unbehagen“ weiterlesenDie Dauer lebenslanger Liebe
Als sich Antonia und Edgar Anfang der Sechzigerjahre in Hamburg begegnen, fühlen sich die beiden so unterschiedlichen Menschen sofort zueinander hingezogen. Antonia ist Optimistin, sie ist überschwänglich und voller Energie, Edgar neigt dazu, sich Sorgen zu machen, ist zurückhaltend und vorsichtig. Die Konventionen der Wirtschaftswunderzeit machen es dem Liebespaar nicht leicht. Wenn man wie Antonia zur Untermiete wohnt, ist Herrenbesuch nach 22 Uhr ein Problem, auch wenn man längst über zwanzig ist. Und die Pille würde ihr der Arzt auch nur verschreiben, wenn sie verheiratet wäre und schon mehrere Geburten vorzuweisen hätte. Bevor sie jedoch heiraten können, „Die Dauer lebenslanger Liebe“ weiterlesen