Bilder von Virginia Woolf

Vor achtzig Jahren, am 28. März 1941, starb Virginia Woolf, die wohl größte Autorin der literarischen Moderne – eine Figur, die bis heute fasziniert und für ganz Widersprüchliches steht. 

„Zwei Bücher über Virginia Woolf sind gerade erschienen – in Frankreich & Deutschland. Das ist ein Alarmzeichen. Ich darf nicht zur Figur erstarren.“ Die Sorge, die Virginia Woolf in diesem Tagebucheintrag vom 24. März 1932 beschäftigt – da war sie fünfzig –, sollte sich als begründet erweisen. Heute ist sie eine Ikone. Und das nicht nur an den literaturwissenschaftlichen Instituten, sondern auch im Bereich der Popkultur. Die Postkarte, die sich in der Londoner National Portrait Gallery am häufigsten verkauft, ist die mit ihrem Bild, und ihr Gesicht findet sich auch auf T-Shirts und Kaffeetassen. Fotos von Virginia Woolf wurden für verschiedene Werbekampagnen benutzt. Anfang der 1990er Jahre ersetzte ihr Gesicht in den Anzeigen der New York Review of Books das von Shakespeare, mit dem die Zeitschrift seit ihrem Bestehen geworben hatte. Auch für den Verkauf weniger intellektueller Dinge wie Kleidung und Bier musste es herhalten, selbst die Kommunistische Partei Roms warb mit Woolfs Bild. Es liegt nahe, sich ihr Gesicht von Andy Warhol vielfach reproduziert vorzustellen, so bekannt sind einige Fotografien – vor allem die Profilaufnahme, die G. C. Beresford von der zwanzigjährigen Virginia Stephen in weißer Bluse machte (oben in der Mitte – das Bild, das am häufigsten für Postkarten & Co verwendet wird), aber auch die Fotos, die Gisèle Freund (in der Collage links) und Man Ray (ganz rechts) von der älteren Virginia Woolf aufgenommen haben. Woolf ist zum geistigen Pendant von Marilyn Monroe geworden. Symbolisiert Monroe den weiblichen Körper, repräsentiert Woolf den weiblichen Geist, gilt Monroe als Sexsymbol, ist Woolf die Intellektuelle. Sie ist die einzige Schriftstellerin der Moderne, die heute in einer Reihe mit Marcel Proust und James Joyce genannt wird. Das Gesicht und den Namen dieser Frau kennt man, selbst wenn man nicht viel mehr wissen sollte oder noch nie etwas von ihr gelesen hat. 

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Das innere Erleben ist alles

Drei Romane, die viel gemeinsam haben, einer druckfrisch, einer acht Jahre alt, der andere bald neunzig. In allen geht es um sechs miteinander befreundete Figuren, drei Männer und drei Frauen, und in allen tritt die äußere Handlung hinter das innere Erleben dieser sechs zurück. Die Ähnlichkeit ist kein Zufall. Christina Hesselholdt und Véronique Olmi erweisen sich mit diesen Büchern als Epigoninnen von Virginia Woolf.

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