Mein Zorn ist längst verraucht

Am 11. April jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von Marlen Haushofer

Lieber Herr Weigel!

Ich antworte gleich auf Ihren Brief, damit Sie sich auch nicht die geringsten Sorgen meinetwegen machen müssen. Ich bin sehr froh, daß Sie so aufrichtig zu mir sind. Daß ich ein recht schwerer Fall bin, weiß ich ja selber auch. Es stimmt nicht, daß ich nicht idyllisch sein will. Ich möchte sehr gern, aber das wäre gelogen. Gerade diese Mischung von Dämonie u. Idylle, auf die ich unentwegt stoße, bereitet mir das größte Unbehagen u. fasziniert mich zugleich. Vielleicht wäre es meine Aufgabe gerade das glaubwürdig zu gestalten. Wahrscheinlich fehlt mir dazu die dichterische Kraft. Oder ich müßte einmal ein paar Monate allein sein u. Ruhe haben. „Mein Zorn ist längst verraucht“ weiterlesen

Das plötzliche Schwinden der Leere

Mit diesem Beitrag startet auf Nacht und Tag eine neue Reihe: Neben Neuerscheinungen soll es ab jetzt regelmäßig auch um Autorinnen gehen, die eine Wiederentdeckung wert sind und vielleicht – wie im Falle Françoise Sagans – auch eine Neubewertung.

Françoise Sagan ist ein Mythos, seit sie 1954 kurz nach ihrem Abitur ihren Debütroman Bonjour Tristesse veröffentlichte, der eine literarische Sensation war und ein Skandal und sie auf einen Schlag berühmt machte. Sie führte das Leben eines Rockstars, inklusive Drogen, Glücksspiel, schnellen Autos und wechselnden Geliebten. Als sie 22 war, wurde ihr Aston Martin eine Böschung hinabgeschleudert, sie wurde schwer verletzt geborgen, erhielt die letzte Ölung, überlebte und veröffentlichte noch achtzehn weitere Romane (von denen einige mit Starbesetzung verfilmt wurden), schrieb elf Theaterstücke, umfangreiche Memoiren und zehn Chansons, unter anderem für Yves Montand und Juliette Gréco. „Das plötzliche Schwinden der Leere“ weiterlesen