„Der Boden war mit zerstörten Illusionen übersät“

Simone de Beauvoirs Die Mandarins von Paris

Heute erscheint der große Roman Die Mandarins von Paris von Simone de Beauvoir in der Neuübersetzung von Amelie Thoma und Claudia Marquardt im Rowohlt Verlag. Ich habe ihn in den letzten Jahren gleich zwei Mal gelesen und das sehr gern, weil er in der Breite wie im Detail, vom Politischen bis zum Persönlichen und Zwischenmenschlichen eine Welt des Umbruchs erzählt und uns damit siebzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen wieder viel zu sagen hat. Für die neue Übersetzung, die den Text so modern wirken lässt wie zur Zeit seines ursprünglichen Erscheinens, durfte ich ein ausführliches Nachwort beisteuern. Hier – als kleiner Appetitmacher – eine gekürzte Fassung.

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„Diese Mischung aus Dämonie und Idylle“ 

In Nebenan ergründet Kristine Bilkau das menschliche Zusammenleben. Ein kluger, feiner Roman zum (Wieder)Erkennen und zum Schaudern.

Zwei Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen, die wenige Kilometer voneinander entfernt leben, sich zunächst nicht kennen und nicht allzu viel gemeinsam zu haben scheinen. Astrid ist Ärztin, ihre Kinder sind längst aus dem Haus, ihr Mann bereits in Rente, in absehbarer Zeit wird sie ihre Praxis abgeben, vieles geht zu Ende. Julia ist vierzig und gerade mit ihrem Mann aus Hamburg aufs Land gezogen, ein Neuanfang. Das Paar möchte ein Kind bekommen, mittlerweile mit medizinischer Hilfe. Weil sie auf ihre CO2-Bilanz achten, versuchen sie in dem winzigen Dorf, in dem sie ein Haus gekauft haben, ohne Auto auszukommen. Wer aus dieser Zusammenfassung schließt, in Nebenan werde satirisch zugespitzt, zeit- oder milieutypische Verhaltensweisen würden zum Zweck des Amüsements bloßgelegt, ist auf der falschen Spur. Kristine Bilkau macht genau das Gegenteil. Ihr – unendlich viel schwierigeres – Anliegen ist es, zu ergründen und nachvollziehbar zu machen, was ihre Figuren im Innersten umtreibt, und das gelingt ihr aufs Wunderbarste. Nebenan ist ein Geflecht aus Geschichten und Motiven, das es in sich hat, ein Roman von hoher Dichte, der nach einem stillen Anfang eine zunehmende Wucht entfaltet.

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