In diesen Tagen erscheint in unserer Reihe rororo Entdeckungen Katrin Hollands Buch Man spricht über Jacqueline, ein Roman von 1930, der von Romantik und moderner Sachlichkeit erzählt und von Rollenerwartungen an Männer und Frauen in Zeiten großer gesellschaftlicher Umbrüche. Meine Mitherausgeberin Magda Birkmann berichtet in ihrem Nachwort, das ich hier in einer gekürzten Version als Gastbeitrag veröffentlichen darf, von den Hintergründen und davon, wer Katrin Holland war.
Jack Mamroth, die junge, emanzipierte und vor allem sprunghafte Heldin von Katrin Hollands Debütroman Man spricht über Jacqueline, ist eine typische Vertreterin der „Girls“, die so zahlreich die Romane aus der Zeit der Weimarer Republik bevölkern: selbstbewusst, burschikos, knabenhaft schlank mit Bubikopf, Krawatte und stets einer Zigarette im Mundwinkel, auto- und sportbegeistert und auch sexuellen Abenteuern alles andere als abgeneigt. Ihre zahlreichen Eskapaden „genügte[n] natürlich, um Jack in einen gewissen Ruf zu bringen, sie in eine bestimmte Kategorie junger moderner Frauen einzureihen – und Jack – Jack war riesig stolz darauf.“ Die Liebe ist für sie ein reiner Zeitvertreib, ein Spiel, bei dem sie allein die Regeln macht, ohne Rücksicht auf die vielen gebrochenen Herzen, die sie dabei zurücklässt. Bis sie durch Zufall den Schriftsteller Michael Thomas kennenlernt, einen Mann mit altmodischen Moralvorstellungen, der Frauen von Jacks Typ, „die um alle Dinge bescheid wissen und die es auch so offiziell bekennen“, verachtet.
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